Ringe herstellen: Das Aufwickeln

Egal ob vernietet oder nicht, die Herstellung von Ringen aus Draht beginnt mit dem Wurmen, dem Aufwickeln des Drahtes über einen langen Metallstab. Ich habe mir dazu folgendes Gestell gebaut:

Bei der Konstruktion habe ich absichtlich wenig Metall verwendet, welches in vergangene Zeiten von hohem Wert war. Das Gestell wird nur ineinander gesteckt und von einem Hanfstrick gehalten, der durch Verdrehen gespannt wird. Oben im Holz sind eine V-förmige Kerbe und ein Loch angebracht um den Stab mit Kurbel zu halten. So lässt sich der Stab leicht herausnehmen, um später den aufgewickelten Draht herunter zu bekommen. Es ist damit auch möglich Stäbe mit verschiedenem Durchmesser einzusetzen. Bis auf das untere Teil lässt sich alles schnell aus Brettern herausgesägen. Die Löcher dort habe ich mit einem Stemmeisen herausgearbeitet. In den Stab ist ein kleines Loch geschlagen. Wenn ich mit dem Wurmen beginne, setze ich dort den Draht ein und beginne zu kurbeln. Beim Aufwickeln ist darauf zu achten, dass der Draht dicht anliegt, aber nicht übereinander gewickelt wird. Ich habe mir dafür eine kleine Führungshilfe aus Holz gemacht. Mit wenig Übung kommt man aber auch ohne zu recht.

Das Ergebnis des Wurmens ist eine lange Drahtspirale, von der später die Ringe abgetrennt werden. Natürlich kann man den Stab auch in das Futter einer Bohrmaschine einspannen, um die Arbeit zu beschleunigen. Verglichen mit dem gesamten Arbeitsaufwand für Ringgeflechte ist das Wurmen aber ohnehin nicht sehr zeitintensiv. Das Wickeln mit eigens dafür vorgesehenen Konstruktionen lohnt sich um so mehr, je länger der Draht ist. Jemand, dem nur kurze Drahtstücke zu Verfügung stehen, ist wohl besser damit beraten, den Draht einfach über einen kurzen Stab zu wickeln, den er in der Hand hält. Vielleicht war dies einst in den Anfängen der Geschichte der Ringgeflechte üblich. Dies bleibt Spekulation; ich jedenfalls habe so begonnen. Je nach Methode birgt das Aufwicklen auch ein Verletzungsrisiko. Selbst weichgeglühter Eisendraht, wie in den Bildern zu sehen, steht während dem Aufwickeln unter hoher Spannung. Das Drahtende oder die Kurbel schwingen durch die Luft wenn man sie los lässt. Besondere Vorsicht ist bei Federstahl geboten. Man sollte mit Schutzbrille und Handschuhen arbeiten.

rechts-links2
Ringe mit links-und rechtshändiger Überlappung

Für vernietete Ringe trennt man im nächsten Schritt Ringe mit überlappenden Enden aus dem Wurm. Je nachdem wie man den Draht aufgewickelt hat, ist die Überlappung links- oder rechtshändig. Die Art und Weise des Abtrennens spielt keine Rolle. Ein Rechtshänder, der den Draht von links nach rechts im Uhrzeigersinn aufwickelt erhält einen rechtshändigen Ring, wie rechts im Bild zu sehen. Ein Linkshänder würde eher mit der linken Hand von rechts nach links wickeln, aber ebenfalls im Uhrzeigersinn. Dies scheint anatomisch bedingt die natürlichere Bewegung zu sein, egal ob mit Kurbel oder dem Draht in der Hand. Folglich ist seine Überlappung linkshändisch, wie links im Bild zu sehen. In alten Ringgeflechten wurden sowohl linkshändische als auch rechtshändische Überlappungen gefunden, jedoch ist die Überlappungsart innerhalb eines Geflechts immer die gleiche [1] [2].

[1] E. Martin Burgess: The Mail-Maker’s Technique,  Antiquaries Journal Volume XXXIII, 1953

[2]Vergard Vike: Ring weave – A metallographical analysis of ring mail material at the Oldsksamlingen in Oslo, 2000

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2 Gedanken zu „Ringe herstellen: Das Aufwickeln

  • Mittwoch, der 16. November 2016 um 00:54
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    Da steckt wirklich unglaublich viel Herzblut dahinter. Von dir kann man noch eine Menge lernen. Klar lese ich nun deinen Blog und Getränkedosen hebe ich nun auch auf 😉

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    • Mittwoch, der 16. November 2016 um 22:28
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      Danke, viel Spaß auf dabei! 🙂

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