Ringe herstellen: Glühen

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Eine simple Schmiedeesse. Mit einem Fön wird Luft durch das Eisenrohr Luft zugeführt.

Es ein weit verbreiteter Irrtum, zu glauben, dass vernietete Kettenhemdringe besonders hart sein sollten. Es ist genau das Gegenteil der Fall: weiches, duktileres Material ist in der Lage durch Verformung mehr Energie aufzunehmen, bevor es reist bzw. bricht. Durch die Vernietung kann sich der Ring bis zum Bruch verformen ohne vorher aus dem Geflecht zu fallen. Die Kraft kann sich auch auf die benachbarten Ringe im Geflecht verteilen. Der Träger eines vernieteten Ringpanzers ist so also (ähnlich der Knautschzone beim Auto) besser geschützt als durch gehärtete Ringe, die zum Sprödbruch neigen und bei abrupter punktueller Gewalteinwirkung aufplatzen.
Ich verwende daher weichgeglühten Eisendraht mit sehr niedrigem Kohlenstoffgehalt für meine vernieteten Ringe. Dieser lässt sich zudem auch gut verarbeiten. Durch die Verformung während der Ringherstellung wird das Material allerdings wieder verfestigt und erkennbar härter. Jeder, der schon mal Büroklammern verbogen hat, kennt das. Es ist nahezu unumgänglich, die Ringe zwischendurch wieder weich zu glühen. Ich glühe die Ringe ein erstes mal nach dem Abtrennen. Da ist es notwendig, die durch das Aufwickeln des Drahtes entstandenen Spannungen abzubauen, damit anschließend das Flachschlagen der Überlappung gelingt. Andernfalls rutschen die Enden an der Überlappungsstelle leicht von einander ab und die Ringenden stehen etwas nach außen ab. Ein zweites Mal glühe ich die Ringe nach dem Flachschlagen, um das Material fürs Einschlagen des Nietlochs weicher zu machen. Das ist dringend erforderlich um den Nietdorn zu schonen. Optional könnte man noch einen dritten Schritt des Weichglühens am fertigen Geflecht durchführen. Das halte ich nicht für erforderlich, da bis auf die Vernietungsstelle schon alles weich ist und meine Ringe eher am Draht, als an der Nietstelle brechen. Außerdem birgt das Glühen, wie ich es in der Schmiedeesse praktiziere die Gefahr, bei zu hoher Temperatur die Ringe zu zerstören. Dies ist eher ein Grund als der zusätzliche Arbeitsaufwand. Denn jener hält sich vergleichsweise in Grenzen.

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Ringe während der Wärmebehandlung, daneben Glühfarben. Angestrebt wird eine Temperatur von 700°C. Die unteren Ringe sind deutlich heißer.

Die angestrebte Temperatur von etwa 700°C lässt sich über verschiedenste Gerätschaften wie Öfen, Bunsenbrenner, etc. erreichen. Ich verwende eine simple, selbst gebaute Schmiedeesse. Diese besteht eigentlich nur aus einem Stück Eisenrohr, dessen Ende durch Flachschlagen verschlossen wurde und stattdessen mit kleinen Löchern zum Luftaustritt versehen ist. Am anderen Ende ist ein Blasebalg oder ein elektrischer Fön (auf Kaltluft gestellt) angebracht. Eine lockere Ummauerung aus Steinen gibt Schutz und hält die Kohlen zusammen. Die Ringe stelle ich in einer Blechdose ins Holzkohlenfeuer. Ich stelle mir vor, dass alte Berufs-Sarwürker, dafür einen dickwandigeren Topf mit langem Griff und Deckel oder einen geschlossenen Ofen verwendet haben. Jedenfalls bedarf es etwas Geschick in der Dose eine gleichmäßige gewünschte Temperatur einzustellen. Ein Abdeckung hilft. Dabei sieht man leider nicht mehr direkt die Glühfarbe der Ringe. Diese sollte ein dunkles Rot sein.

Erfahrungsgemäß ist es besser, eher mit der Temperatur etwas darüber zu liegen, als zu niedrig. Jeder Ring sollte einmal ins Glühen gekommen sein. Dann stelle ich die Luftzufuhr der Esse ab und lasse die Dose im erlischenden Feuer langsam abkühlen.

[Glühfarben]Ulrich Fischer: Tabellenbuch Metall

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