Ringe herstellen: Flachschlagen

Bei der Herstellung von vernieteten Ringen kann und muss trotz aller Anleitungen vieles durch eigenes Ausprobieren erlernt werden. Dennoch denke ich, dass gerade dieser Artikel die Lernphase deutlich verkürzen kann. Beim Flachschlagen der Ringe produziert man den meisten Ausschuss. Um diesen gering zu halten, sollte man schon damit beginnen, auf die Qualität der abgetrennten Ringe zu achten. Die sich überlappenden Ringenden müssen exakt übereinander und dicht aneinander liegen. Alle inneren Spannungen die durch das Wurmen und das Abtrennen am Ring entstanden sind, müssen durch Wärmebehandlung (Glühen) entfernt worden sein.

Zum Flachschlagen benutze ich einen gewöhnlichen Schlosserhammer und einen kleinen Amboss, der früher mal zum Dengeln verwendet wurde. Er ist in einen kleinen Baumstamm geschlagen. Ein Schirm aus Rohhaut sammelt die herunterfallenden Ringe ein. Ziel des Flachschlagens ist es, an der Überlappung genügend Platz für die Niete zu schaffen. Daher reicht es aus, nur die Überlappungsstelle abzuflachen und des Rest des Rings in seinem runden Querschnitt zu belassen. Dazu schlage ich mit der Kante des Hammers in einem Winkel von etwa 30° auf die Überlappungsstelle. Ein oder Zwei Schläge reichen aus.

Auch an einem Amboss lässt sich gut arbeiten. Der Vorteil ist, dass man die Ringe auf der Oberfläche verrutschen kann, statt sie jedes mal aufheben zu müssen:


Einige Sarwürker bevorzugen Flachringen und schlagen den ganzen Ring flach. Man kann sich dazu eine Führungshilfe aus einem Zylinder in einem Hohlzylinder basteln, um alle Schläge exakt senkrecht durchzuführen. Mit viel Übung ist man aber von Hand schneller und erreicht vergleichbare Qualität; egal ob man nur einen Teil oder den ganzen Ring abflacht. Der Einsatz von Hilfsvorrichtungen beim Flachschlagen kann auch dazu genutzt werden, Zeichen in die Ringe einzuprägen. Der Ringpanzer von Ivan Grigoryevich Vyrodkov, einem russischen Soldaten aus dem 16. Jahrhundert enthält zum Beispiel große Flachringe, die alle mit einer gleichmäßigen Prägung versehen sind. Er ist im staatlichen historischen Museum in Moskau ausgestellt.

Das Flachschlagen des ganzen Rings verkleinert den Innendurchmesser des Rings. Außerdem berühren sich Ringe mit rechteckigem Querschnitt nur an den Kanten, wohingegen Ringe mit rundem Querschnitt sich näher an den Querschnittsmitten berühren. Somit haben Flachringe einen geringeren effektiven Innendurchmesser und ihre Geflechte benötigen mehr Ringe pro Fläche. Ich bevorzuge daher nur die Überlappung flach zu schlagen. Die Rundringe, die ich so herstelle, sind dann besonders gut gelungen, wenn sie folgende Qualitätsmerkmale erfüllen:

  • Die Überlappung sollte so weit wie nötig abgeflacht sein. Das heißt nur soweit, dass man gerade eine Niete setzen kann, ohne dass das Metal ausreißt oder die Nietverbindung deutlich schwächer als der Rest des Rings wird. Wird das Nietloch später gebohrt oder gestanzt, statt mit einem Dorn durchstochen, sollte die Überlappungsfläche breiter sein, da ja Material entfernt wird.
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    Flachgeschlagener Ring, bei dem die Enden an der Überlappung leicht über Kreuz verrutscht sind.

    Die Ringenden an der Überlappung sollten möglichst nicht voneinander abgerutscht sein. Manchmal rutschen die Ringenden komplett voneinander ab, so dass sie parallel nebeneinander zu liegen kommen. Das passiert meist, wenn der Ring nicht richtig weichgeglüht wurde. Solche Ringe sind Ausschuss. Häufiger jedoch rutschen die Ringenden kreuzweise übereinander. Der Ring hat dann zwar eine kleine Überlappung aber die scharfen Kanten der Ringenden zeigen vom Ring weg und könnten später mit dem Ringgewebe getragene Kleidung beschädigen. Je nachdem wie wie schlimm die Kreuzstellung ist, kann man die Kanten abschleifen oder den Ring verwerfen. Auch der Ring im Bild zeigt eine leichte Kreuzstellung, wie man in der Seitenansicht erkennen kann.

Beim Herstellen der Ringe und eventuell durch ein paar Strecktests bekommt man bald eine Ahnung, wie der ideale Ring aussehen sollte. Dennoch erhält man bei der Herstellung in Handarbeit stets abweichende Qualität. Behält man vor Augen, dass Ringpanzer einst dazu gedacht waren, vor Verwundung oder Tod zu schützen, wünscht sich der Träger natürlich nur Ringe höchster Qualität. Ringe geringerer Qualität müssen aber nicht ausnahmslos verworfen werden. Sie könnten zu Geflechten niedrigerer Qualität verarbeitet werden und weniger gefährdete Körperregionen schützen. Es ist denkbar, dass es auch Ringpanzer für den kleineren Geldbeutel gab.

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