Anleitung Ringhaube

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Am Hauberk angesetzte Ringhaube.

Ein Ringgewebe um einen Körper herum zu konstruieren ist ein grundlegend anderer Prozess, als Kleidung zu nähen, denn das Gewebe muss nicht wie Stoff aus flachen Stücken zusammen genäht werden, sondern kann wie ein Plattenpanzer alle möglichen Rundungen annehmen. Der Prozess dabei ist eher mit dem Stricken zu vergleichen. Wendet man sich vom Konzept des Schnittmusters ab, hat man den Vorteil, durch besser anliegendes Gewebe Gewicht zu sparen. Fast alles, was daran schwierig und umständlich wirkt, kann mit einer Mischung aus Gefühl und Berechnung gelöst werden. Was damit gemeint ist, möchte ich anhand einer Ringhaube erklären.

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Ringhaube von oben. Ringe die fünf andere fassen wurden nachträglich farblich hervorgehoben. Beginnend oben in der Mitte wurde reihenweise mit je acht solcher Ringe der Umfang vergrößert.

Erst einmal soll eine Halbkugel mit Ringgeflecht überzogen werden. Dazu beginnt man ganz oben auf der Halbkugel mit einem einzigen Ring. In diesen hängt man weitere Ringe und setzt das Geflecht Reihe für Reihe nach unten fort. Jede Reihe hat mehr Ringe, als ihre Vorgängerreihe darüber. Nur so kann man die Halbkugel nachbilden. Damit das möglich ist, muss es Ringe in der alten Reihe geben, die mit fünf Nachbarn verbunden sind und ebenso viele Ringe in der nächsten Reihe mit nur drei Nachbarn. Ich nenne ein Paar solcher Ringe zusammen eine Erweiterung. Sie erweitert eine Reihe um einen Ring. Die große Herausforderung für den Sarwürker ist nun, die Erweiterungen an der richtigen Stelle zu platzieren, um dem Geflecht die richtige Form zu geben. Anfangs wird eine kleine ebene Kreisfläche geknüpft. Nach der Formel für den Kreisumfang würde man erwarten, dass dazu sechs bis sieben Erweiterungen pro Reihe notwendig wären. Bei mir haben sich acht als passend herausgestellt. Ich erweitere nur in Reihen mit vernieteten Ringen, wie im Bild zu sehen.

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Verteilung der Erweiterungen auf die Reihen einer Ringhaube. Jeder Balken repräsentiert eine Reihe, beginnend oben in der Mitte.

Ab etwa der Größe eines Bierdeckels sollte man zählen, wieviele Erweiterungen noch vorzunehmen sind und wie viele Reihen noch bleiben. Dann kann man die Anzahl an Erweiterungen pro Reihe langsam reduzieren. Dazu muss man wissen, wie viele Erweiterungen man insgesamt braucht, um später an der Stirn bzw. am Äquator die richtige Anzahl an Ringen pro Reihe zu erreichen. Letztere Anzahl lässt sich leicht bestimmen, indem man ein Stück Geflecht darum wickelt und abzählt. Man baut es am besten drei vernietete Reihen breit*. Es kann mit in die Haube eingebaut werden. Dabei sollte Platz für eventuell unter der Haube getragene weitere Rüstung berücksichtigt werden.
Anhand dieses Bandes und dem runden Geflecht, kann man abschätzen wieviele Reihen in die Strecke vom obersten Punkt der Halbkugel bis runter zum Äquator passen. Sind die Anzahl der nötigen Erweiterungen und die Anzahl der Reihen bekannt, muss nur noch überlegt werden, wie die Erweiterungen auf die verbleibenden Reihen verteilt werden sollen. Diese Verteilung nehme ich wie in der folgenden Grafik zu sehen nach Gefühl vor. Die Erweiterungen sollten innerhalb ihrer Reihe in gleichmäßigem Abstand verteilt sein.
Vom Punkt davor muss hin und wieder abgewichen werden, damit nicht zwei Erweiterungen verschiedener Reihen nah übereinander zu liegen kommen. Sonst sieht das Geflecht aus, als gäbe es hier eine Naht.

Von der Stirn setzt man das Band ein und vergrößert das Geflecht nach unten, ohne Erweiterungen zu setzen. Den Bereich für das Gesicht spaart man natürlich aus. In Nähe der Schultern wird dann zunehmend erweitert. Man kann wie bei der gezeigten Haube an den Hauberk anschließen oder eine abnehmbare Haube bauen. In jedem Fall sollte man nicht mit mehr Ringen pro Reihe erweitern, als man für eine ebene Kreisfläche braucht. Nimmt man mehr erhöht sich nur die Dichte des Geflechts und man baut überflüssiges Gewicht in die Rüstung. In jedem Fall empfiehlt es sich, vernietete Ringen erst nur zusammen zu biegen und erst später zu vernieten, wenn die fertige Haube der gewünschten Form entspricht.

* Besonderheit: Ein Band mit nur einer Reihe an Ringen ist länger als ein Band mit mehreren Reihen, trotz gleicher Anzahl an Ringen pro Reihe.

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